In jeder Bedienungsanleitung steht ein Vibrationswert in m/s², oft auf eine Nachkommastelle genau. Diese Genauigkeit täuscht. Der Wert entsteht unter festgelegten Laborbedingungen und beschreibt einen Vorgang, nicht einen Arbeitstag.
Wie gemessen wird
Die Messung nach EN 60745 – der Normenreihe für handgeführte Elektrowerkzeuge – erfolgt für definierte Anwendungsfälle, etwa „Hammerbohren in Beton“ und „Meißeln“, jeweils getrennt. Festgelegt sind Material, Bohrerdurchmesser und Anpressdruck. Angegeben wird ein Schwingungsgesamtwert plus eine Unsicherheit K, die im Datenblatt meist mit angegeben ist.
Genau diese Unsicherheit wird beim Vergleichen übersehen. Liegt K bei 1,5 m/s², dann ist der Unterschied zwischen einem Gerät mit 9,0 und einem mit 10,0 m/s² kein belastbarer Unterschied.
Warum der Wert im Alltag anders ausfällt
Die Norm misst einen Fall, gearbeitet wird in vielen. Der tatsächliche Wert verschiebt sich mit:
- Bohrerdurchmesser – ein 20-mm-Bohrer überträgt anders als der Messbohrer.
- Zustand des Werkzeugs – ein stumpfer Bohrer erhöht Anpressdruck und Vibration deutlich.
- Material – Armierung im Beton erzeugt Stöße, die in keiner Messung vorkommen.
- Anpressdruck und Haltung – beides ist im Labor festgelegt, in der Praxis nicht.
Was der Wert dennoch taugt
Als Größenordnung innerhalb einer Geräteklasse ist er brauchbar. Ein Gerät mit 7 m/s² und eines mit 15 m/s² unterscheiden sich real. Nur die zweite Stelle hinter dem Komma trägt keine Aussage.
Für gewerbliche Nutzung ist der Wert zudem die Grundlage der Expositionsberechnung – dort geht es um die Dauer, über die ein Gerät täglich geführt werden darf. Für private Nutzung an einem Nachmittag ist diese Rechnung nicht der Maßstab.
Was die Belastung tatsächlich senkt
Ein Anti-Vibrationsgriff, wie ihn viele Hersteller angeben, beschreibt eine Bauart – Griffe, die über Dämpfungselemente vom Gehäuse entkoppelt sind. Das ist wirksam, aber kein Messwert, und der Effekt steht nicht als Zahl daneben.
Wirksamer als jedes Ausstattungsmerkmal sind zwei Dinge: scharfe Bohrer und Pausen. Ein stumpfer Bohrer verlängert die Arbeitszeit und erhöht gleichzeitig die Vibration – er verdoppelt die Belastung von zwei Seiten.
Konkrete Modelle zu dieser Frage
Welche Geräte diese Anforderungen erfüllen, steht im zugehörigen Vergleich – mit Einsatzprofil, Stärken und Grenzen je Modell.
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